Schwarzweißer Lastkahn mit aufgesetztem hellen Aufbau und Esyon-Beschriftung am Kulkwitzer See, am Ufer festgemacht
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Steffi Favetto 11 Minuten

15 Jahre ESYON: Was kommt und was bleiben soll

Schwups, schon sind 15 Jahre um! Im August 2026 haben wir unser Jubiläum mit rund 75 Gästen auf einem umgebauten Lastkahn am Kulkwitzer See gefeiert. Mit dabei waren unser Team, unsere Familien, Kunden und Partner. Ein Abend voller guter Gespräche, Musik und gemeinsamer Erinnerungen.

Gefeiert haben wir damit auch 15 Jahre voller Veränderungen. Was 2011 mit zwei Beratern in einem Leipziger Büro begann, ist heute ein gesundes Unternehmen mit vier Standorten in zwei Ländern. Neue Technologien, neue Kollegen und neue Herausforderungen haben uns auf diesem Weg begleitet, und dass so viele Menschen ihn mit uns gegangen sind, macht uns vor allem dankbar.

Die kommenden Jahre im E-Commerce werden technisch eher anspruchsvoller als einfacher, und darauf freuen wir uns. Was kommt also, und was soll bleiben, wie es ist? Darüber haben wir mit unseren Gründern Ronny Büchner und Oliver Pankrath gesprochen. Es geht um die Anfänge von ESYON, um die Zusammenarbeit zu zweit, um Produktdaten und darum, was künstliche Intelligenz im Alltag unserer Kunden schon verändert.

Im Gespräch mit unseren Gründern: 15 Jahre ESYON

 

 

Wenn euch 2011 jemand erzählt hätte, wo ESYON 2026 steht, was hättet ihr ihm wohl nicht geglaubt?

RB

Ronny Büchner: Dass aus der einfachen Idee „Easy on“ einmal ein Unternehmen mit vier Standorten wird. Damals ging es uns darum, dass Shops, ERP und Produktdaten leichter zusammenfinden. Heute sind wir in Leipzig, Mönchengladbach, Rapperswil-Jona und seit diesem Jahr auch in München. 2011 waren wir zwei Berater mit einer Beobachtung, einen Plan für vier Standorte hatten wir ganz sicher nicht.

Auch dass neben der Schnittstelle vor allem die Produktdaten selbst so zentral werden, hätten wir damals nicht erwartet. Heute hängen Online-Shops, Marktplätze und zunehmend auch KI-Anwendungen an ihnen.

Am meisten überrascht mich aber, wie viele Menschen diesen Weg mit uns gegangen sind, und darauf bin ich wirklich stolz. Ohne unser Team gäbe es diese 15 Jahre ESYON nicht.

OP

Oliver Pankrath: Dass wir schon 2013 in die Schweiz gehen würden, hätte ich mir zwei Jahre zuvor wohl selbst nicht vorstellen können. Genauso wenig hätte ich geglaubt, dass wir beim Thema PIM noch einmal so viel Erfahrung dazugewinnen. Zuerst kam C&C concepts and creations dazu, in diesem Jahr dann Daniela Baron-Breu mit ihrem Team von abc cross media. Dazu kommen Kunden, die uns seit acht, zehn oder mehr Jahren die Treue halten.

Und ganz ehrlich: Auch dass wir heute noch gesund und gemeinsam hier sitzen, ist nicht selbstverständlich. Wir haben Marktschwankungen erlebt und Projekte, die länger gedauert haben als geplant.

Was uns dabei immer getragen hat, war unsere Haltung: Wir halten, was wir versprechen, und stehen hinter den Lösungen, die wir unseren Kunden empfehlen. Dass daraus Vertrauen wird, hätte ich 2011 sofort unterschrieben, und dass es bis heute so trägt, macht mich dankbar.

Woran habt ihr gemerkt, dass aus dem Projekt eine Firma geworden ist?

RB

Ronny Büchner: Als Kunden uns weiterempfohlen haben und wir uns nicht mehr jedes Gespräch neu erarbeiten mussten. Dazu kam, dass unsere Fachlichkeit greifbar wurde. Wir haben OXID, MS Dynamics 365 und Perfion so eingeführt, dass sie im Alltag unserer Kunden zuverlässig laufen. Spätestens da war aus dem Projekt eine Firma mit Anspruch geworden.

Noch deutlicher wurde es später, als Entscheidungen im Team fielen und sich als richtig erwiesen. Ab da war ich mehr als Gründer, nämlich verantwortlich für die Menschen, die das Unternehmen mittragen.

OP

Oliver Pankrath: Für mich war es der Moment, in dem Kolleginnen und Kollegen auch abends oder am Wochenende erreichbar waren. Druck hat dabei niemand gemacht, sie haben die Kundenprojekte einfach als ihre eigenen verstanden. Dafür danke ich auch den Familien, denn ohne ihre Unterstützung in engen Phasen würde das nicht gehen.

Eine Firma ist man, wenn die Kultur nicht mehr nur an zwei Personen hängt. Das sehe ich gerade, wenn neue Kolleginnen und Kollegen in München eingearbeitet werden und unsere Haltung auf sie übergeht: pragmatisch, erreichbar und ehrlich. Dann ist ESYON größer als die Idee, mit der wir angefangen haben.

Ihr führt ESYON seit 15 Jahren gemeinsam. Wie ergänzt ihr euch und wo seid ihr manchmal unterschiedlicher Meinung?

RB

Ronny Büchner: Ich beschäftige mich stärker mit unseren Produkten und Partnern und mit der technischen Tiefe, also mit OXID, Perfion, Truvio (ehemals Dynamicweb) und den Integrationen, die wir selbst gebaut haben. Oliver betrachtet die Dinge eher aus der Perspektive des Marktes, unserer Standorte und des Teams, und das ergänzt sich gut.

Unterschiedliche Meinungen gibt es vor allem dann, wenn Tempo und Gründlichkeit aufeinandertreffen. Ich möchte eine Lösung möglichst schnell umsetzen. Oliver achtet darauf, dass sowohl unser Team als auch der Kunde diesen Weg mitgehen können.

Über das eigentliche Ziel sind wir uns meistens einig. Wir diskutieren eher darüber, wie wir dorthin kommen. Nach 15 Jahren wissen wir, dass es schneller geht, Uneinigkeit anzusprechen, als sie zu umgehen. Dabei zählt, was beim Kunden funktioniert, und wer von uns recht hatte, ist schnell vergessen.

OP

Oliver Pankrath: Ronny sorgt dafür, dass wir fachlich und technisch immer auf dem neuesten Stand bleiben. Mir ist wichtig, dass wir dabei die Menschen nicht aus dem Blick verlieren und nicht einfach nur ein Projekt nach dem anderen abarbeiten. Die Schweiz, die Standorte und die Einarbeitung neuer Leute brauchen jemanden, der mehr sieht als die Architektur.

Reibung gibt es bei uns vor allem beim Wachstum, etwa bei der Frage, wie schnell wir einen Standort eröffnen und wie viel Struktur unsere Kultur verträgt. Ich bin vorsichtiger, wenn etwas die Distanz zwischen unseren Kunden und Entwicklern vergrößern könnte. Ronny treibt dagegen den fachlichen Kompetenzaufbau stärker voran.

Und das ist auch gut so. Wenn wir immer einer Meinung wären, bräuchte es uns schließlich nicht zu zweit.

In den vergangenen 15 Jahren hat sich im E-Commerce einiges verändert. Neue Vertriebskanäle, komplexere Systemlandschaften und zuletzt vor allem künstliche Intelligenz stellen Unternehmen vor neue Herausforderungen.

Doch bei aller technologischen Entwicklung bleibt eine Frage entscheidend: Wie gut sind die Daten, auf denen die Systeme aufbauen? Genau darum dreht sich unsere Arbeit bei PIM-Lösungen.

Was bekommen Kunden heute bei ESYON, was sie vor fünf Jahren so noch nicht bekommen hätten?

RB

Ronny Büchner: Vor allem die Tiefe bei Produktdaten. PIM war vor fünf Jahren schon wichtig, inzwischen hängen Shop, Marktplatz, Internationalisierung und KI daran. Wir sind Goldpartner von Boyum und setzen Perfion bei unseren Kunden um. Unsere Connectoren und Tools haben wir dabei aus konkreten Projekten heraus entwickelt, weil wir Probleme dort nicht halb lösen wollten.

Dazu kommt, dass Kunden uns regelmäßig sagen, wir seien diejenigen, die Shop, MS Dynamics 365 und PIM wirklich zusammen beherrschen. Das konnten wir vor fünf Jahren schon andeuten. Heute können wir es belegen, auch durch die Verstärkung von Daniela Baron-Breu und abc cross media.

OP

Oliver Pankrath: Für mich ist es Verlässlichkeit in der Fläche. Vier Standorte bedeuten für uns kürzere Wege, einen Konzern wollen wir daraus nicht machen. Kunden in Süddeutschland und Österreich erreichen uns heute anders als 2021, und sie treffen auf ein Team, das E-Commerce, PIM und MS Dynamics 365 aus dem Projektalltag kennt.

Geändert hat sich auch, dass wir bewusst nicht jedem alles versprechen. Wir liefern funktionierende Lösungen und bleiben danach erreichbar. Das war schon immer unsere Haltung, inzwischen ist es auch in der Organisation verankert, und die Firma ist gesund genug, um das durchzuhalten.

Was unterschätzen mittelständische Unternehmen heute noch, wenn es um Produktdaten und die Integration ihrer Systeme geht?

RB

Ronny Büchner: Viele Unternehmen beschäftigen sich zuerst mit der Auswahl einer Software. Dabei sollte diese Entscheidung eigentlich erst später kommen.

Zunächst muss klar sein, wie die Prozesse aussehen und welche Daten benötigt werden. Erst danach sollte entschieden werden, welche Shop-, PIM- oder ERP-Systeme am besten dazu passen. Wer in umgekehrter Reihenfolge vorgeht, muss später häufig Kompromisse bei der Integration eingehen.

Hinzu kommt, dass KI und Automatisierung auf verlässliche Produktdaten angewiesen sind. Wenn die Datenqualität nicht stimmt oder die Anbindung an ERP und Shop fehlt, bleibt es bei einer beeindruckenden Demo, die im Arbeitsalltag wenig bringt. Saubere Produktdaten sind deshalb Pflicht, für die Suche im Shop genauso wie für Empfehlungen, Marktplätze und Internationalisierung.

OP

Oliver Pankrath: Die eigentliche Herausforderung liegt häufig gar nicht in der technischen Schnittstelle, sondern in den internen Abläufen.

Wer ist für welche Produktdaten verantwortlich, wer pflegt die Attribute, kümmert sich um Übersetzungen oder gibt Änderungen frei?

Technisch können wir vieles lösen. Aber die Verantwortung für die eigenen Daten muss ein Unternehmen selbst klären. Andernfalls wird auch ein neues PIM-System schnell zu einer weiteren Ablage für Informationen, die niemand richtig pflegt.

Viele Unternehmen wünschen sich weniger Systeme und bessere Verbindungen zwischen ihnen, und daran arbeiten wir jeden Tag. Eine Konsolidierung nur als Lizenzwechsel zu sehen, unterschätzt allerdings den organisatorischen Teil.

Künstliche Intelligenz ist in fast jedem Kundengespräch ein Thema. Was davon ist bei euch schon Alltag und was noch nicht?

RB

Ronny Büchner: Alltag ist KI bei uns dort, wo die Datenbasis stimmt. Das gilt etwa für Übersetzungen, für die Klassifikation und Anreicherung von Produkttexten und für die Unterstützung in der Datenpflege. Wir setzen sie ein, wenn sie einen Prozess tatsächlich verkürzt. Für neue Technik im E-Commerce sind wir bereit, gerade weil wir PIM und Integration vorher ernst genommen haben.

Noch kein Alltag ist KI als Ersatz für eine saubere Architektur. Legt man ein KI-Modell über ein unsauberes Datenmodell, entsteht nur schneller Ausschuss. Daran arbeiten wir lieber in Ruhe mit unseren Kunden als in Keynotes.

OP

Oliver Pankrath: Intern nutzen wir KI dort, wo sie uns wiederkehrende Arbeit abnimmt und die Qualität prüfbar bleibt. Bei unseren Kunden hat sich in den letzten zwei Jahren vor allem die Erwartung verändert. Alle wollen KI, aber nur wenige haben die Produktdaten, die sie dafür brauchen. Deshalb haben wir in diesem Jahr unsere PIM-Kompetenz noch einmal verstärkt.

Was noch fehlt, sagen wir lieber offen. Eine Automatisierung über die ganze Strecke von Shop, PIM und ERP ist in den meisten Mittelstandsprojekten Arbeit und lässt sich nicht einfach per Schalter umlegen, und diese Arbeit übernehmen wir.

Als ESYON freuen wir uns, dass KI auch die Welt unserer Kunden neu sortiert. Wir wollen sie dabei eng begleiten und mit ihnen die richtigen Antworten auf die neuen Chancen finden.

Wenn wir fünf Jahre nach vorne schauen: Wo seht ihr ESYON im Jahr 2031? Und was soll sich bis dahin auf keinen Fall verändern?

RB

Ronny Büchner: Wir wollen unsere Position als führender Spezialist in der DACH-Region für E-Commerce, PIM und MS Dynamics 365 weiter ausbauen.

Dafür brauchen wir noch mehr Experten, eine stärkere Integrationskompetenz und Lösungen, auf die sich unsere Kunden langfristig verlassen können. Unsere Strategie für 2026 bis 2031 fasst das zusammen: Wachstum mit Substanz, technische Exzellenz und echte Partnerschaften.

Was sich nicht ändern soll, ist unsere Haltung gegenüber den Produkten, die wir empfehlen, also OXID, Perfion und Truvio. Wir entscheiden uns für eine Lösung, weil sie unseren Kunden tatsächlich weiterhilft, und nicht, weil sie gerade besonders populär ist.

Bleiben sollen auch das Projektgeschäft statt eines Standardkastens und die kurzen Wege zwischen Beratung und Umsetzung. Weil das Unternehmen gesund ist, haben wir die Freiheit, neue Technik ernst zu nehmen und sie nicht nur anzukündigen.

OP

Oliver Pankrath: In fünf Jahren sollen unsere Kolleginnen und Kollegen spannende Projekte haben und sich weiterentwickeln können, in einem Team, das wächst und seinen Charakter behält. Unsere Kunden sollen auch dann einen Partner haben, der erreichbar ist und sich auskennt. Und für unsere Partner wünsche ich mir Implementierungen, nach denen die Kunden bleiben.

Was wir auf keinen Fall werden wollen, ist ein Konzern mit immer mehr Hierarchieebenen zwischen unseren Kunden und den Entwicklern.

Unsere Standorte in Leipzig, Mönchengladbach, München und Rapperswil-Jona sollen uns näher an unsere Kunden bringen und keine zusätzliche Distanz schaffen.

Wir sind dankbar für das, was wir bisher erreicht haben. Das bedeutet aber nicht, dass wir stehen bleiben möchten. Wir wollen aus eigener Kraft weiter wachsen und dabei das bewahren, was ESYON in den vergangenen 15 Jahren stark gemacht hat.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Was wünscht ihr euch für die nächsten 15 Jahre ESYON?

RB

Ronny Büchner: Dass wir weiter mit Menschen arbeiten, denen wir vertrauen, im Team, bei Kunden und bei Partnern, und dass aus unserer Technik auch künftig Vertrauen entsteht. Wenn in 15 Jahren jemand sagt, bei ESYON konnte man anrufen und es hat gestimmt, dann hat sich mein Wunsch erfüllt.

OP

Oliver Pankrath: Dass unser Team seinen Charakter behält und unsere Familien auch in Zukunft mit uns feiern können, statt nur die Herausforderungen mitzutragen. Die vergangenen 15 Jahre haben uns gezeigt: Wenn die Menschen bleiben, kommen auch die Zahlen.

Ich wünsche uns Gesundheit, Klarheit und den Mut, Dinge einfach zu machen. „Easy on“ darf auch in den nächsten 15 Jahren noch stimmen.

Ein Rückblick: Das Sommerfest zum 15. Geburtstag

Zu einem 15. Geburtstag gehört natürlich auch eine ordentliche Feier. Nach den Begrüßungsworten unserer beiden Gründer sorgte eine Rock-’n’-Roll-Band für Stimmung.

In einer musikalischen Pause richtete Tino Favetto, Customer Success Manager und UI/UX Designer bei ESYON, den Blick nach vorn. In seinem kurzen Vortrag „What’s next“ stellte er drei Themen vor, die uns künftig beschäftigen werden: künstliche Intelligenz in der Produktdatenpflege, Customer Success Management und Agentic Commerce. Bei Letzterem übernehmen KI-Agenten zunehmend Aufgaben im Einkaufsprozess, beispielsweise die Produktsuche oder die Vorbereitung von Bestellungen.

Es wurde also nicht nur gefeiert, sondern auch ein Blick darauf geworfen, wohin sich ESYON und der E-Commerce in den kommenden Jahren entwickeln. Langweilig wird es dabei sicher nicht.

Wir freuen uns auf die nächsten 15 Jahre und auf alles, was noch kommt!